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Neue Residenz Bamberg

Zur Geschichte

Bild: Neue Residenz Bamberg

Für lange Zeit war die Neue Residenz nicht nur der größte Profanbau, sondern auch das politische Zentrum der Stadt und bildet bis heute – auf dem Domberg weithin sichtbar – zusammen mit dem Dom die städtebauliche Krone Bambergs. Folglich bildet sie auch den Kondensationspunkt des UNESCO-Kulturerbes Altstadt Bamberg. Dass es so kam, war kein Zufall, sondern vor allem politischer Wille.

Seit Mitte des 16. Jahrhunderts hatte das Domkapitel einen standesgemäßen Residenzbau als offiziellen Dienstsitz der Fürstbischöfe verhindert. Sie mussten notdürftig, quasi privat, in den eigenen Domherrenhöfen residieren. Erst Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn (reg. 1679-1729) konnte einen repräsentativen Neubau politisch durchsetzen, nachdem er 1695 in Personalunion auch die Stelle des Mainzer Kurfürsten und Erzbischofs angetreten hatte.

 

Bild: Gemälde "Lothar Franz von Schönborn"

Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn

Lothar Franz von Schönborn hat aber keine Anlage mit geraden Wegeachsen fernab der Domkirche in die "grüne Wiese" gesetzt, wie andere Fürsten wenig später oder seine verwandten Amtsbrüder in Würzburg oder Bruchsal. Von 1695 bis 1703 plante und baute von Schönborn mit seinem Hofarchitekten Leonhard Dientzenhofer (1660-1707) eine hochmoderne Dreiflügelanlage, die den Domplatz zum Ehrenhof umfunktioniert und den Dom als vierte Seite des Platzes visuell unverkennbar in das Machtgefüge der bischöflichen Residenz eingebunden hat. Weder Planänderungen noch der im Planstadium 1703 liegengebliebene Flügel anstelle der Alten Hofhaltung haben daran Wesentliches geändert.

Damit die städtebauliche Krone auf dem Domberg nicht isoliert blieb, begann der Fürstbischof die mittelalterliche Stadt, die bis dahin aus verschiedenen, kaum zusammenhängenden Zentren bestand, entsprechend moderner städtebaulicher Vorstellungen auf das Machtzentrum hin auszurichten. Allerdings konnte das nicht nach symmetrischen Idealen mit regelmäßiger Bebauung geschehen. So entstand die Idee einer barocken Stadtachse von der Fernhandelsstraße Nürnberg–Leipzig im Osten der Stadt zum fürstbischöflichen Schloss. Grundlage war eine behutsame Systematisierung der Straßen durch Angleichung der Fassaden, markante Baukörper, Blickbeziehungen oder farbliche Akzentuierung der Dachlandschaft. Beeindruckend bleibt, dass auch die folgenden Fürstbischöfe Friedrich Karl von Schönborn sowie Adam Friedrich von Seinsheim die Idee der barocken Stadtachse in Bamberg fast bis zum Ende des 18. Jahrhunderts beibehalten und Stück für Stück ergänzt haben.

 

Bild: Gemälde "König Otto I."

Staatsporträt König Ottos von Griechenland
in griechischer Nationaltracht

Als die Neue Residenz von 1695 bis 1703 gebaut wurde, war die Dreiflügelanlage hochmodern. Nur wenige Jahre vorher wurden Schloss Seehof oder das Schloss in Aschaffenburg noch als kastellartige Vierflügelanlagen gebaut. Im Geschossaufbau, in der Verteilung der Raumfolgen oder an den Treppenanlagen hat die Neue Residenz Bamberg aber noch etliche Merkmale einer Vierflügelanlage. Deshalb lassen sich die planerischen Gedankengänge von der Vier- zur Dreiflügelanlage an keinem Schlossbau so gut verfolgen wie hier. Auch deshalb gilt der Bau als erste große Residenz des Barock in Franken.

Am 1. Juni 1815 wurde die Bamberger Residenz Schauplatz einer der letzten Episoden der napoleonischen Ära: Louis-Alexandre Berthier, ein Marschall Napoleons, fand dort durch Sturz aus einem der oberen Fenster den Tod. Er wählte den Freitod, weil er der anmarschierenden russischen Armee nicht in die Hände fallen wollte. Eine Gedenktafel in der Mitte der Residenzstraße erinnert an das Ereignis.

Die Residenz diente dem abgedankten griechischen Königspaar Otto I. und Amalie von 1862 bis 1867 bzw. 1875 als Exil. Noch ein weiteres Mal war die Neue Residenz für kurze Zeit Schauplatz der bayerischen Geschichte, als die gewählte Regierung 1919 unter Ministerpräsident Hoffmann und der Landtag nach Bamberg auswichen.

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